Nicht schlank? Na und!

Weg vom Diätfrust und einfach gut leben


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Ich bin heute über die Ankündigung dieser Sendung gestolpert, die am 12. 01. 2014 um 17:00 im ARD ausgestrahlt werden wird.

Die Stichworte unter dem (üblichen Negativbild) klingen nicht schlecht, man darf gespannt sein, ob sich die Berichterstattung wirklich aus der „nur dünn ist gut“- Ecke trauen wird.

Also, bevor Sie eine Diät beginnen, um die vermeintlich schädlichen Pölsterchen herunterzuhungern oder meinen sich für Kekse und Festtagsbraten bestrafen zu müssen, schauen Sie rein. Mit etwas Glück wird das zur Abwechslung eine Sendung ohne das übliche Dickenbashing.


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1500 Kalorien Zucker und es wirkt nicht wie es soll….

Kennen Sie den Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“?

Die ZDF Dokumentation „Süß und gefährlich“ sollte den Lesern vor Augen führen, wie schnell man schrecklich dick und furchtbar krank werden kann, wenn man 1500 Kalorien täglich zusätzlich in Form von Zucker, versteckt in Lebensmitteln wie Soft Drinks, Gebäck, aber auch Wurst und Salatsaucen zu sich nimmt.

Da ja in den USA besonders große Portionen ausgegeben werden und es dort besonders viele Fast Food Konsumenten gibt, die dick sind, reiste die tapfere Selbstversuchskarnickel-Reporterin Nina Behlendorf in die USA und futterte und trank, wie zu den besten „Supersize Me“-Zeiten. Zwei Wochen sollte sie das durchziehen. Dabei sollte sie auch noch arbeiten, also zu Terminen fahren, Mikros halten, Fragen stellen – alles sehr intensiver Körpereinsatz, harte Arbeit wie auf dem Bau oder in einem Leichtathletik-Camp, so fand sie zumindest, als sie nach Ende der Reise zuhause beim Arzt (welcher ihren schlechten Zustand aufgrund der miesen Ernährung medizinisch bestätigen sollte) auf die Waage stand und dort sage und schreibe 700 Gramm weniger wog als vor der Abreise.

Tja, sie hätte wohl besser die Supersize Me – Hintergründe und Manipulationen kennen müssen, um ihr Ergebnis wunschgemäß hinzubekommen. Vielleicht hätte man sie auf einer Sänfte von Termin zu Termin tragen und einen Mikrofonhalter engagieren müssen, um realitsitsche Bedinungen zu schaffen?

Aber man kann das ja nachholen. Und genau das will der Sender auch tun. Das Experiment wurde wiederholt, wie in diesem Artikel des Berliner Kuriers berichtet wird.

Tja, offensichtlich kam mit genügend Manipulation endlich die weltbewegend neue Erkenntnis zutage: Zucker macht dick, wenn man sehr viel davon isst und dabei keinen extrem harten Sport macht.

Zumindest ein paar schlechte Werte durften vermeldet werden, Insulinresiszenz und Leberfett und Bauchfett sind, so der Blog zum Experiment nach einem Zuckerverbot im Anschluss an Experiment Teil 2 wieder im grünen Bereich. Somit waren sie wohl davor  schlecht genug, um als „Erfolg“ des Experiments gewertet zu werden.

Dafür hat dann der ZDF vielleicht auch noch einen Preis verdient, die Diätmittelindustrie wird sich sicher zu einer Ehrung überreden lassen.

Man drehe sich die Ergebnisse eben so, bis sie passen.


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Mexiko und das Übergewicht. Wo ist das Problem wirklich?

Ich bin sonst eine eifrige und meist zufriedene Zuschauerin des Morgenmagazins von ARD und ZDF, aber dieser Beitrag über die Fettsucht in Mexiko hat mir die Schuhe ausgezogen.

Die arme Frau, die sich für einen Schlauchmagen unters Messer legte und wo während der OP ein Tumor gefunden wurde tut mir von Herzen leid. Diesen Tumor jedoch ohne genauere Untersuchung einfach als Nebeneffekt ihres Übergewichts abzutun, zeigt in meinen Augen, dass das Problem der Mexikaner nicht bei Keksen und Limonade zu finden ist, sondern im Gesundheitswesen selbst. Die Ärzte kennen offenbar nur eine Diagnose: Adipositas und eine Therapie (Magenoperation). Hätte eine genaue, gewissenhafte Voruntersuchung nicht verdächtige Leberwerte zutage fördern müssen? War der Krebspatient, dessen Gesicht man nicht gesehen hat, wirklich die Frau, die den Schlauchmagen bekommen wollte?

Dass gerade arme Menschen von Unterernährt zu dick wechseln, wenn Fast Food, Snacks und Zuckergetränke ihre traditionellen Nahrungsmittel ersetzen, sollte einem guten Reporter nichts zu rätseln geben. Über unzählige Generationen haben in armen Ländern nur immer jene überlebt, die das wenige Essen gut speichern konnten, jene, die durch hohe Cholesterinwerte ihre Zellen gegen Infektionen am effektivsten schützen konnten. Gerade diese beiden Überlebensmechanismen werden durch den Ernährungsechsel ausgehebelt. Schuld sind wahrlich nicht die Menschen selbst und angesichts der Wetterkatastrophen dieses Jahr auf der ganzen Erde, angesichts der Tatsache, dass Nahrungsmittel für Biosprit angebaut werden und landwirtschaftliche Flächen in vielen Ländern dem Drogenanbau oder dem Anbau von Tabak geopfert werden, wird rasch klar, warum Gemüse und Getreide nicht billig genug sein kann, um die vielen Kalorien aus dem Jung Food zu ersetzen.  Das Mädchen in dem Beitrag, das mit seinen kleinen Geschwistern gezeigt wird, weist auf ein weiteres Problem hin: gutes, gratis Schulessen wäre eine gute Investition für den Staat. Dann  müsste das Kind nicht auch noch die kleinen Geschwister versorgen. Eine Belastung, die bei manchen auch dazu führt, dass sich ihr Körper einen Schutzpanzer zulegt, um der Rolle als Ersatzmutter überhaupt gewachsen zu sein.

Übergewicht kann sicher zur Belastung werden, wenn man sich nicht mehr bewegen kann wie man möchte, wenn  es zur Begleiterscheinung von Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 wird.  Aber was ist mit den anderen Problemen Mexikos? Mit der Analphabetenrate? Mit den Drogenkartellen und den Drogenkriegen? Sind die 70.000 Toten seit 2006 auf einmal Nebensache, wenn man dicke Menschen zeigen und die Kamera fix auf das breite Gesäß einer fülligen Frau beim Zumba richten kann?

Ich würde mir wünschen, dass das Morgenmagazin wieder niveauvollere Beiträge bringt.


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Frühstücken Sie gerne?

Bei der Durchsicht von gesammelten Links bin ich auf diesen Videobeitrag zum Thema „Powerfrühstück“ gestoßen.

Da ich zu den Frühstücksmenschen gehöre, passt er gut in meine Vorstellung von einem guten Start in den Tag. Es sollte jedoch bessere Argumente für ein tolles Frühstück geben als die Warnung vor Übergewicht.

Ich kenne jedoch genug Menschen, deren innere Uhr um halb sieben in der Früh, oder noch früher, noch nicht so läuft, dass sie ein Obstmuesli, Vollkorn und was noch in dem Beitrag empfohlen wird, mit Vergnügen essen können.

Die Antworten der Expertin im Text unterhalb des Videos sind okay, was mir fehlt, ist hier die Bereitschaft zu akzeptieren, dass jemand einfach keinen Appetit/Hunger am morgen früh hat.

Vor allem bei Kindern/Jugendlichen ab 12/13 Jahren habe ich schon oft beobachtet, dass sie, eben weil sich ihre innere Uhr umgestellt hat, sie lieber länger schlafen und später aufstehen, und beim Aufstehen das Hungergefühl komplett fehlt. So gegen neun, halb zehn kommt es dann, doch dann sitzen sie in der Klasse und sollten Leistung bringen. Viele sind schlau genug, sich selbst nicht bis zur Mittagspause hungern zu lassen, sondern haben Jausenbrote mit dabei oder versorgen sich am Jausenstand in der großen Pause.

Doch gerade männliche Jugendliche die keineswegs als übergewichtig wahrgenommen werden, also eher dünn und schlacksig sind, machen sich da die wenigsten Gedanken um den Nährwert und die Inhaltsstoffe ihres Essens. Chips und Gummibärchen sind ja auch cooler (und „sozialer“) als das Jausenbrot von Mama. Dazu noch ein paar Engergy Drinks… So richtig gut „satt“ wird man von Knabberkram natürlich nicht, also muss mehr und mehr gekauft werden.

Da ist auch ein Frühstückszwang keine Lösung. Vielleicht hilft es, wenn den Jugendlichen ein Jausenbrot und Geld für sozialen Knabberkram zur Verfügung gestellt wird. Dann greifen sie in der kleinen Pause zum Brot, weil es ja doch am besten für den Hunger ist, können aber immer noch als Verteiler von Knabbereien und Süßigkeiten sozial punkten.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den eigenen Frühstücksgewohneheiten und denen von Teenagern?


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The Dieter’s Dilemma. Eating Less and Weighing More – Das Dilemma der Diäten(den) – weniger essen und dennoch mehr wiegen

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Das Buch von William Bennett und Joel Gurin ist über 30 Jahre alt und dennoch könnte es heute geschrieben worden sein. Es hat sich so wenig verändert, seit die beiden sich aufmachten, der Wirkungslosigkeit von Diäten auf den Grund zu gehen. Sie hinterfragen auch die Volksmeinung, dass Übergewicht zwangläufig von sich aus krank macht und die gesellschaftliche Ächtung, die Übergewichtigen deshalb zuteil wird, weil sie ja so hohe Kosten verursachen (und das nur weil sie, so die gängige Meinung in unseren Medien und den Köpfen der meisten Meschen, schwach und faul sind).

Genau und gewissenhaft nahmen sie zahlreiche Studien unter die Lupe, hinterfragten die „idealen“ Maße, den BMI und warum Diät nach Diät auf den Bestsellerlisten auftaucht, die Erfinder reich macht und wieder verschwindet. Sie warnen vor Medikamenten als Diäthilfen, vor Operationen und davor, Tierexperimente zu rasch und unkritisch auf die Menschen zu übertragen.

William Bennett und Joel Gurin sind die Urväter der „Setpoint“-Theorie, die auch in „Health at every size“ betont wird und die ich als für mich am logischsten entdeckt habe.

Was besagt die Setpoint-Theorie?

Jeder Körper hat sein eigenes Idealmaß. Das kümmert sich nicht darum, welche Mode gerade „in“ ist oder ob wir einem bestimmten von oben (Gesundheitsbehörden) herab verordneten Schema entsprechen.  Es wird bestimmt durch seine Gene, sein Alter, seine momentanen Bedürfnisse und Ernährungsgeschichte. Anders als bei „Health at every size“ nehmen die beiden Autoren hier nicht Bezug auf ein bestimmtes Gewicht als Setpoint, sondern sie verstehen darunter eine gewisse Größe und Zahl an Fettdepotzellen. Der Körper ist ziemlich flexibel, daher „erlaubt“ er sich eine gewisse Bandbreite auf und ab von seinem jeweiligen Setpoint. Erst wenn diese Bandbreite längere Zeit unter- oder überschritten wird, reagiert er. Bei zuviel Gewicht kurbelt er den Stoffwechsel an, er verbrennt mehr. Bei zu wenig Gewicht schraubt er den Stoffwechsel herab, sorgt dafür, dass der Mensch sich weniger bewegen mag und in den Hungermodus fällt, den man seit dem Hungerexperiment von Minnesota sehr genau kennt.

Doch wie jeder Mechanismus kann der Setpoint durcheinander gebracht, gestört werden. Diäten setzen den Setpoint hinauf. Daher, so die Theorie, wird man umso dicker, je öfter man Diät macht.  Stress,  Schlafmangel, Medikamente,  usw… können auch den Setpoint hinauf setzen. Und manche Menschen haben, genetisch bedingt, einen sehr hohen Setpoint.

Kann man den Setpoint auch wieder hinunter setzen?

Ja, kann man und zwar durch aerobe Bewegung. Das ist jetzt kein Aufruf zum Marathon-training oder zum Fitnesswahn, sondern das Ergebnis einiger Studien. Am meisten beeindruckt hat mich jene von Professor Grant Gwinup bei der die Teilnehmerinnen ohne einem Ernährungsplan zu folgen, einfach pro Tag eine halbe Stunde flott gelaufen sind. Das klingt jetzt nicht nach viel, dennoch hielten nur etwa die Hälfe davon durch. Bei denen, die bei der halben Stunde blieben, stabilisierte sich das Gewicht auf einem nierdrigeren Level (Setpoint herabgesetzt), bei jenen, die noch mehr laufen wollten sank das Gewicht weiter. Es sank sehr langsam und die Dicke der Hautfalten nahm ab, was als Zeichen gesehen wird, dass der Gewichtverlust auf einen Fettverlust zurückzuführen war und nicht, wie bei Diäten so oft, auf einen Wasserverlust und einen Abbau von Muskulatur.

Das Buch beschreibt auch sehr genau, wie die heutigen Gewichtsempfehlungen zustande gekommen sind und die historischen Hintergründe des heutigen Körperformideals. Beides ist sehr interessant zu lesen und regt zum Nachdenken an.

Dreißig Jahre ist das Buch nun da, und hätte, wäre es auf den Bestsellerlisten gelandet wie viele Diätbücher, ein Umdenken herbei führen können. Doch es ist leider vieles noch immer so wie in dem Buch beschrieben. In dreißig Jahren hat sich nichts an der Anbetung der Schlankheit geändert, mehr noch, jetzt werden richtig magere Figuren als erstrebenswert dargestellt. Die Modewelt diktiert, wie wir sein müssen, und wer nicht in das Modell passt, wird schel angesehen. Die Menschen werden immer älter, leben immer länger, die Pensionisten sind immer rüstiger, sodass das Arbeitsende hinausgezögert werden soll — trotzdem sind wir (angeblich) alle dem frühen Tode geweiht, wenn wir nicht alle dünn werden und das am besten schon vorgestern.  Man fragt sich, wer und was hier wirklich krank ist….

William Bennett und Joel Gurin:

The Dieter’s Dilemma. Eating Less and Weighing More.

Basic Book Inc. 1982

Hardcover, 315 Seiten.


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Leckeres Lunch – Bento Boxes Rezeptbuch

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Kawaii Bento Boxes

In der Kantine ist das Essen nicht nach Ihrem Geschmack? Aber einfach ein belegtes Brot mitzunehmen ist auch nicht das Wahre? Wie wäre es mit dieser fulminant appetitlichen Idee?

An meinem Arbeitsplatz gibt es keine Kantine. Seit dem Spätsommer versorge ich mich daher immer mit einem Bento. Abwechslung ist Trumpf. Daher habe ich mir gleich mehrere Bentobücher gekauft und teste aus, was mir an Rezepten machbar erscheint.

Da es in deutscher Sprache so gut wie keine speziellen Bentokochbücher gibt, habe ich mich für englische Bücher entschieden und arbeite seitdem an meinen Küchen-Englisch-Kenntnissen wie an meinen Kochfertigkeiten.

„Kawaii Bento Boxes“ wird über Kodansha USA vertrieben und die Macher des Buches haben daher auch Rezepte eingebaut, die auf den amerikanischen Geschmack zugeschnitten sind. Das kommt mir zugute, denn weder Mirin noch Konbu sind in meiner erreichbaren Nähe erhältlich.

Das Buch präsentiert gleich zu Beginn wie man eine Bentobox am besten packt, welche Kompositionen nahraft und pratisch sind.

Die folgende Seite präsentiert nützliche Geräte und kleine Helfer.

Wie man Reis am besten kocht, wird ausführlich auf der nächsten Seite erklärt.

Eine der beliebtesten Zutaten eines Bento sind die Reisbällchen, die Onigiri. Mit etwas Fantasie und Geschick lassen sich mit Noriblättern, Würstchen und anderen Zutaten daraus lustige Gesichter gestalten.

Den Rest des Buches füllen zum Großteil die großen Fotos, auf denen jeweils eine gefüllte Bentobox zu sehen ist. Dabei werden die Inhalte aufgelistet und die Seiten angegeben, wo die passenden Rezpete zu finden sind.

Dem amerikanischen/westlichen Geschmack zuliebe gibt es auch Pasta mit Tomatensauce, Mini-Hotdogs, Taco-Sandwiches usw…

Egal welches Gericht, es ist fast immer sehr niedlich angerichtet oder verziert, eben kawaii.

Ein Highlight des Buches sind die „Kawaii Bento Accents“, wo erklärt wird, wie man kleine Eier, Würstchen oder Apfelschnitze besonders niedlich anrichtet, dass daraus Kücken, Häschen oder Tintenfische werden.

Were es nach Farben geordnet mag, der findet einige Rezeptseiten strickt nach der zentralen Farbe des Gerichts, um z.B. ein spezielles gelbes Bento zusammenzustellen.

Den Abschluss bilden je eine Doppelseite schnelle Dessert-Ideen und große Picknik-Bentos.

Das Buch ist auf jeden Fall den Kauf wert, schon allein wegen der vielen, originellen Ideen und der appetitlichen Fotos.

Ikuko Mitsuoka

Kawaii Bento Boxes

Japan Publication Trading Co., Ltd/Boutique-Sha, Inc.

81 Seiten, 2. Auflage April 2010

ISBN: 9784889962604


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Buchtipp: Health at Every Size – Gesundheit bei jeder Kleidergröße

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„Fat isn’t the problem. Dieting is the problem.“ (Nicht Fett ist nicht das Problem. Diät halten ist das Problem). Mit dieser Aussage beginnt der Rücketext dieses empfehlenswerten Buches, das ich vor kurzem dank des Tipps im Buch von Tine Wittler entdeckt und gelesen habe.

Die Autorin Linda Bacon erzählt zunächst einmal von ihrer eigenen Odysee, von dem Auf und Ab ihres Gewichts im Laufe ihres Lebens, von ihrer eigenen Besessenheit mit Diäten und dem Druck, sich täglich, ja fast stündlich zu wiegen.

Sie vertritt den Standpunkt, dass jeder Körper sein Zielgewicht hat. Diesen Setpoint ist er bestrebt zu halten und daran passt er seinen Verbrauch und seine Speicherleistung an. Der Setpoint ändert sich im Laufe des Lebens, daher werden wir mit zunehmendem Alter durchschnittlich schwerer bis wir in sehr hohem Alter wieder an Gewicht verlieren. Dicke Hundertjährige findet man kaum, wohl aber Hundertjährige, die zwischen 60 und 70 dicker gewesen sind. Dieser Setpoint ist nicht wirklich ein Punkt auf das Gramm genau, sondern ein Gewichtsbereich innerhalb dessen Schwankungen vom Körper toleriert werden. Erst wenn das Gewicht über diesen Bereich hinaus schlägt, reagiert das Regelsystem und das mit all seiner evolutionären Macht, für die unsere modernen, selbstgewählten Hungersnöte (genannt „Diäten“) keine Gegner sind. Der Wille, eine Erfindung unseres modernen Großhirns,  ist nichts im Vergleich zum Überlebenswillen, der dem Körper selbst in allen Lebewesen innewohnt. Das System, ließe man es in Ruhe, so Frau Bacons Theorie, würde (abgesehen von genetischen Störungen) von Kindesbeinen an funktionieren, einige von uns wären eben etwas schwerer als andere, ein Spiegel der Vielfalt innerhalb einer Art, genauso wie Größe, unterschiedliche Nasen- und Ohrenformen. Dadurch, dass wir versuchen, diesen Mechanismus zu kontrollieren, zu boykottieren, stören wir ihn und ist er erst einmal irritiert, hebt er den Setpoint an, um auf der sicheren Seite zu sein.

Da Essstörungen und aus der Balance geratene Essverhaltensweisen fast epidemisch geworden sind, wirft Frau Bacon ein genaueres Licht auf die bekanntesten Probleme, vom emotionalen Essen (als Reaktion auf ein Gefühlsproblem statt auf ein tatsächliches Hungersignal des Körpers) bis zum beherrschten, kontrollierten Essen. Was ist falsch am kontrollierten Essen, fragen sich da sicher Einige. Es ist die Frage, wer es kontrolliert. Der Körper selbst mit seinen klaren Signalen, mit seinem Bedarf an Nährstoffen und Vitaminen? Oder unser durch die Medien und unser verzerrtes Selbstbild gesteuereter Diätwahn.

Bewegung wird in diesem Buch sehr hoch geschätzt. Nicht als Mittel zum Gewichtsverlust, sondern als Weg, den Stoffwechsel anzukurbeln, besser drauf zu sein, stärker, widerstandsfähiger und somit an mehr Bereichen des Lebens teilhaben zu können, wenn wir dies wollen und nicht von vornherein viele Aktivitäten vermeiden zu müssen, die uns sehr wohl Spaß machen könnten, wenn wir fit genug dafür wären.

Später geht Frau Bacon auch auf die Rolle von Kohlenhydraten, Zucker (vor allem der aus Mais gewonnene Fructosezucker), Süßstoffen, Eiweiß und Fett in einer ausgewogenen Mischkost ein und rückt einige der „Volkseweisheiten“ (Vorurteile) zurecht.  Sie geht scharf mit Einflussnahme der Diätmittel/Diätlebensmittel-Konzerne auf die Gesellschaft und die Politik zu Gericht und weiß dies auch zu belegen. Ähnlich genau zerlegt sie langläufige Meinungen über die Gefahr von Übergewicht.

Live Well, das wünscht sie allen Lesern, dass wir unsere Sehnsüchte und verschiedenen Hunger nach… – Begierden ernst nehmen, nicht untrdrücken, sondern zulassen und beantworten, dass wir Freude an Bewegung und am Essen finden und sie schließt ihr Buch mit Apellen an verschiedene Gruppen, von Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, über Leuten, welche eine nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung und Agrarwirtsschaft unterstüzten, bis zu Therapeuten.

Ungefähr in der Mitte des Buches stellt sie ihr HAES Programm vor, das sie zusammen mit Dr. Judith S. Stern (welche die Kontrollgruppe der Studie betreute) an Freiwilligen getestet hat. Sie fand 78 Frauen im Bereich zwischen BMI 30 und 45, die sich sechs Monate lang wöchentlich in Gruppen bis zu zehn trafen, um sich auszutauschen. Sie bekamen keine Vorschriften oder Regeln mit auf dem Weg, sondern nur die Rohfassung des Manuskripts.  Ein Jahr nach Ende der Studie hatte die Kontrollgruppe, welche ein „normales“ Diätprogramm absolvierte schlechtere Resultate als die HAES-Frauen, welche ihr Bewegungspensum vervierfachten, bessere Blutdruck- und Cholesterinwerte aufwiesen, nicht zu vergessen, das bessere Lebensgefühl,  neue Energie und mehr Selbstbewusstsein, das sie an den Tag legten. Keine der beiden Gruppen verlor signifikant mehr an Gewicht als die andere, aber das war und ist auch nicht das Ziel des HAES Programms.

Wenn Sie mehr über die Community von „Health at Every Size“ erfahren möchten, hier ist deren Webseite.

Linda Bacon

Health at Every Size. The surprising truth about your weight.

Benbella Books, INC.

Paperback 374 Seiten

2008/2010

ISBN: 9781935618256