Nicht schlank? Na und!

Weg vom Diätfrust und einfach gut leben


Ein Kommentar

Mein Kind ist zu dick, ich als Mutter habe versagt

Auf der Webseite von Brigitte Mom ist ein Bericht einer Mutter zu lesen, die ihre Neunjährige Tochter nicht anschauen mag, weil sie diese zu dick findet. Sie hat Angst, dass ihr Kind dick bleibt, dass sie gehänselt werden wird, wenn sie in die Puberttät kommt. Die Ursache für die Rundlichkeit ihres (noch) unbeschwert fröhlichen Kindes sieht sie in der geerbten Veranlagung (sie war als kleines Mädchen auch rundlich) und im Appetit des Mädchens auf das gut, selbst gekochte Essen. Ihre andere Tochter ist älter, kommt nach dem dünnen Vater und isst weniger.

Obwohl am Ende des Berichts der Wunsch steht, die Welt möge Menschen doch nicht nach ihrem Gewicht beurteilen, ist der Rest des Artikels ein Hilfeschrei. Sie nennt es auch beim Namen: Scham. Sie schämt sich für ihr fröhliches, gesundes Mädchen, weil sie Angst hat, dass die Gesellschaft ihr mütterliches Versagen vorwirft, sie hat Angst davor, dass der Blick von den Rundungn ihrer Tochter zu ihren eigenen wandern könnte. Sie stellt sich also in den Mittelpunkt und das ist so ziemlich das Ehrlichst an dem ganzen Artikel.

Sie möchte nicht, dass ihre Tochter dicker wird. Sie will ihr nicht das Essen vermiesen und weist in ihren Beispielen explizit darauf hin, dass es Eis nur in Ausnahmefällen und Limonade ganz selten gibt, kein Junk Food und wenn das Mädchen zu viel isst, dann von dem guten, selbst gekochten Essen der Mutter.

Ihre andere Variante ist die Überlegung, an ihrer Tochter jene Äußerlichkeiten zu loben, die sie unabhängig vom  Gewicht schön findet: Die Haare, die Augen usw…

Doch da ihre Überlegungen danach gleich wieder zum Essen zurückkehren, ist klar, wie sehr diese Mutter an ihrem eigenen Ego und der Scham, ein dickes Kind zu haben, verhaftet ist.

Glaubt sie wirklch, ihrem Kind wird nie auffallen, dass sie es nicht anschauen mag? Dass die Mama lieber mit der dünnen Schwester Kleider einkaufen geht? Dass Äußerlichkeiten der Mama so wichtig sind, dass sie immer über das redet, was sie an den Mädchen schön findet?

Statt ihr Kind verändern zu wollen, sollte sie erst mal ihre eigene Einstellung verändern, sich stärken und dem Kind vor allem vermitteln, dass sie es liebt, egal wie es aussieht. Erst wenn sie sich von ihrer eigenen Angst lösen kann, ist sie dem Kind, sollte es in der Pubertät wirklich gehänselt werden, eine echte Stärkung. Zudem… sie selbst hat ja offenbar trotz ihrer Rundlichkeit einen schlanken, liebevollen Mann gefunden und mit ihm zwei gesunde Töchter.

Außerdem … so ein bisschen habe ich Zweifel an der Authenzität des Artikels. Meine Beobachtungen an Volkschulkindern der vierten Klasse und Kindern der ersten Klasse Mittelschule (9 und 10 Jahre) zeigen, dass dort auch schon dicke Kinder gehänselt werden. Wenn also das Mädchen mit dem Alter noch völlig unbehelligt geblieben ist, gerade da sie ja im Zeltlager gewesen ist und da  hat sie  sich mit den anderen Mädchen zusammen waschen und umziehen müssen.

Was würden Sie dieser Mutter raten? Ihr Kind auf Diät zu setzen und ihm damit gleich klar machen, dass es einen Schaden hat, eine Schande und Grund zur Scham ist?

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Instagram und Dickenbashing

Die Bildsammelseite Instagram hat nichts gegen Fotos von Frauen in Unterwäsche. Solange diese Fotos diejenigen sexuell reizen, welche sie anschauen. Daraus resultiert, dass Fotos, die sexuell zu wenig anregend sind, also unsexy, nicht gezeigt werden sollten.

So zumindest kann man die Reaktion von Instagram interpretieren, als die Userin Samm Newmann ein Foto von sich in Unterwäsche dort einstellt. Samm hat zuvor schon zig andere Fotos geteilt, sich mit Instagram-Nutzerinnen zusammengetan, um Kraft zu sammeln, sich zeigen zu trauen, denn Samm ist dick. Und die dicke Collegestudentin dachte sicher nicht, dass ausgerechnet ihr Foto einen Wirbel verursachen würden, weil es doch eben so viele andere Unterwäschefotos schon dort gibt.

Falsch gedacht. User, die sich von Samms Foto zu wenig sexuell angeregt fühlten, war es zu wenig, einfach zu weiter zu klicken, um ein anderes Unterwäschefoto zu finden, das ihren Vorstellungen entspricht. Statt dessen beschwerten sie sich und fanden Gehör. Instagram löschte nicht nur Samms Foto, nein, sie sperrten gleich mal ihren account. Sonst könnte sie ja noch mehr Bilder dieser Art hochladen, welche einige Nutzer als zu wenig aufreizend empfinden.

Samm war selbstbewusst genug zu protestieren und ihr Foto und Instagrams Entscheidung publik zu machen. Und siehe da, auf einmal kam Instagram dahinter, dass man ja eigentlich tolerant sei und wenn Unterwäschefotos gelöscht werden müssten, ja auch jene schlanker Nutzerinnen darunter fielen. Sie haben sich bei Samm entschuldigt, ihr account ist wieder aktiv.

 

 

 

 


Hinterlasse einen Kommentar

Begrifflichkeiten: kurvig, kräftig, mollig, dick?

Beim Surfen bin ich in ein Diätforum gestolpert und dort in einem Thread gelandet, wo jemand die Frage gestellt hat: Wo fängt „dick“ bei euch an.

Damit hat sie eine rege Diskussion in Gang gebracht, denn die Wahrnehmung und die Begrifflichkeiten der anderen Forumsteilnehmer waren höcht unterschiedlich:

  • einige sprechen abgestuft, also auch von mollig, vollschlank, – solange noch die Körperformen deutlich erkennbar sind.
  • andere kennen nur „schlank – normal -dick“ – fassen hier aber den „normal“-Begriff weiter (interessant, dass schlank und normal nicht das gleiche sind für alle)
  • jemand warf den Begriff „kräftig“ in die Runde, wo dann gekontert wurde, dass „kräftig“ ja etwas über Muskeln aussage und nicht über Fettpolster
  • mit dem Wort „stattlich“ konnten nicht mehr viele etwas anfangen.
  • Was ist das richtige Wort für eine Körperform, wo sich der vergrößerte Umfang nur auf eine Region beschränkt (Apfelform) Gliedmaßen und Po aber deutlich dünner sind? Bestimmt die „dickste Zone“ das Wort für das Ganze?
  • „üppig“ gilt bei den meisten nur für einen vollen Busen
  • „molig“ wird oft auf flauschig, wollig bezogen und von manchen hauptsächlich im Zusammenhang mit Socken und Pullis verwendet, nicht mit Körperformen

 

Wer in die Diskussion reinlesen möchte, findet sie hier

Wie sehen bei euch die Begrifflichkeiten aus? Wann verwendet ihr welches Wort und welche Begriffe verwendet ihr nie zur Beschreibung von Körperformen?


Hinterlasse einen Kommentar

Arbeit und Übergewicht: dickere Männer und dünnere Frauen verdienen besser

Im Februar 2014 erschien die Studie „Obesity and the Labor Market„.  Auf 24 Seiten haben Ökonomen von der Universität Potsdam und der City University New York  die Befragungsergebnisse von 8,770 Männer und 9,229 Frauen zusammengetragen. Befragt wurden sie nach ihrem Gewicht, ihrer Größe und ihrem Einkommen.  Die Befragten waren zwischen 20 und 60 Jahre alt.

Gut ein Drittel der befragten Frauen wurde nach der gängigen Gewichtsskala BMI als übergewichtig und fettleibig eingestuft. Den Stundenlohn betreffend konnte kein signifikanter Unterschied im Einkommen von normalgewichtigen und übergewichtigen Frauen gefunden werden.

Im Gegensatz dazu wurde fesgestellt, dass die Männer mit einem BMI über 25 um durchschnittlich 80 cent mehr verdienen in der Stunde als die Männer unterhalb von 25 BMI. In der Studie waren gut 60% der Männer nach dem BMI gemessen übergewichtig oder adipös.

Es wurde auch nach den beiden Job-Typen: blue colar (Arbeiter, Handwerker) und white colar (Büroangestellte, Manager, Schreibtischarbeit ect..) unterschieden. Hier zeigte sich, dass bei Frauen das höchste Gehalt bei einem BMI um 22 erreicht wird, vor allem in den Bürojobs, während bei Männern ein BMI über 25 vor allem in den blue colar – Jobs einen positiven Effekt hatte. Bei Frauen war auch bei blue colar- Jobs Übergewicht ein negativer Faktor, der den durschnittlichen Studenlohn drückte. Hingegen war bei Männern in white colar jobs eine derartige Verbindung nicht nachweisbar, hier hatte das Gewicht keinen signifikanten Einfluss auf den Studenlohn.

Die Forscher deuteten das Ergebnis als eine „Schlankheisbevorzugung“ bei Frauen, vor allem in Bürojobs, wo Frauen den ganzen Tag präsent sind und anders als in der Produktion nicht hinter Maschinen oder in der Weite von Werkhallen verschwinden.

Bei Männern hingegen wurden vor allem in körperlich herausfordernden Berufen mehr Köpermasse mit mehr Kraft gleichgesetzt und somit auch bevorzugt.

Was die Forscher erstaunte war, dass die Schlankheitsbevorzugung bei Frauen schon weit unterhalb der Übergewichtsgrenze einsetzte, also bereits Frauen mit einem BMI von 23 weniger verdienten als ihre dünneren Kolleginnen.

In meinen Augen kann das nicht mehr mit dem Gesundheitsargument (dicke Menschen werden öfter krank, sind weniger Leistungsfähig ect…) begründet werden, hier geht es rein um die Optik, was vor allem für die männlichen Kollegen, Geschäftsfreunde, Kunden, Chefs, ect.. „hübscher“ anzuschauen ist.

Für die Frauen bedeutet das natürlich auch den Zwang, diesen Status zu konservieren, die Angst, dass Alter, Krankheit, Schwangerschaft, sich im Endeffekt negativ auf das Einkommen auswirken, den Zwang, sich Diäten und der Schönheitsindustrie zu unterwerfen, wenn sie nicht am Ende in der Alterarmutsfalle landen möchten.

Oder … einfach den Jobhorizont zu erweitern, vor allem wenn sie jung sind und noch vor der Berufsentscheidung stehen.

Oder… solidarisch darum kämpfen, dass mehr solche Frauen in Positionen zu finden sind, die in der Lage sind, sich als Chefinnen über die Oberflächlichkeit ihrer männlichen Kollegen hinwegsetzen und Frauen gemäß ihres Könnens und nicht ihrem Äußeren nach einstellen.

Für Männer bedeutet die Studie, dass sie sich mehrheitlich nicht verzweifelt darum bemühen müssen, „hübsch und schlank“ zu sein, um gut bezahlte Jobs zu bekommen. Die Diätindustrie wird an ihnen auch in Zukunft längst nicht soviel verdienen wie an der weiblichen Hälfte der Bevölkerung.


Hinterlasse einen Kommentar

Fit zu sein hilft: Verbeamtung trotz hohem BMI

Immer wieder tauchen in den online-Foren und Nachrichtenportalen die Erfahrungsberichte von Menschen auf, die aufgrund ihres Gewichtes in Deutschland nicht verbeamtet worden sind.

Herr Dickmann aus Schleswigholstein war ein Beispiel von mehreren, deren Verbeamtung an ihrem BMI (zunächst einmal) gescheitert war.

Wie ungerecht und undurchsichtig die Gesundheitsuntersuchung für eine Verbeamtung sen kann, zeigte auch die Erfahrung von Jasmin Bauer, die als Lehrerin verbeamtet werden wollte und vom Amtsarzt den Tipp bekam, erst mal eine Diät zu machen und dann wieder zu kommen. Ob sie nach einer Radikalhungerkur aufgrund des JoJo-Effektes dann nach ihrer Verbeamtung noch mehr wiegt als zuvor, das interessiert niemanden mehr. Es geht nur um diese eine Untersuchung, um die Werte in diesem einen Moment, wie der Spiegel in einem Artikel beschrieb. Dass Verbeamtung nur am Gewicht scheitert, wohingegen Rauchen kein Ablenhungsgrund ist (das kann man ja über Nacht aufhören, und man sieht es den Betroffenen auch nicht an, so die Begründung). Was also der Arzt nicht auf Augenschein feststellen kann, das ist nicht vorhanden, sozusagen.

Dabei würde es dem Arbeitgeber mehr bringen, wenn er die wirklichen Kernursachen, warum Beamte zu früh krankheitsbedingt aus dem Dienst ausscheiden, angehen würde: Burn Out und Depressionen.

Bitter ist für die betroffenen Menschen auch, dass nicht einmal die Gewerkschaft an dieser Verbeamtungsregelung rütteln will. Zumindest will man sich um bessere Gehälter für Angestellte bemühen. Doch die anderen Nachteile bleiben und das bittere Gefühl, dass hier auch optisches Wohlgefallen mitspielt.

Verständnis dürfen sich die Betroffenen online in Foren nicht immer erwarten, wie diese Fragestellung bei studis online zeigt, wo eine sportliche Angestellte sich um ihre Verbeamtung sorgt und nach ein paar netten Kommentaren gleich Diättipps und vor allem auch Vorwürfen zu lesen bekommt, sie sei ja sicher fett und was sie sich denke, nur des Geldes wegen abzunehmen und nicht auf Dauer ihre Ernährung einzuschränken. Bessere Erfahrungen machte diese Fragestellerin im rubensforum, wo auch andere Teilnehmer ihre negativen Erfahrungen mit Amtsärzten zur Sprache brachten.

Es gibt zum Glück auch positive Meldungen, Menschen, denen die Verbeamtung trotz Übergewicht zugebilligt worden ist. Eine von diesen Glücklichen postete ihren Weg bei referendar.de.  Ihr Fazit: Es geht nur über Fitness und man muss eine gründliche Untersuchung über sich ergehen lassen. Wer sich also sicher ist, gesund und fit zu sein, der soll sich nicht von der ersten Ablehnung herunterziehen lassen und weiter kämpfen.

 


Hinterlasse einen Kommentar

„Fettes Schwein“ – empfehlenswertes Theaterstück zum Thema Übergewicht und Selbstbewusstsein

Die Burgfestspiele in Jagsthausen zeigen dieses Jahr wieder das Theaterstück von Neil Labute „Fettes Schwein“. In diesem Theaterstück geht es um die Liebe zwischen der charmanten, witzigen und intelligenten Bibliothekarin Helen, die sich in den schüchternen Tom verliebt, der in einer großen Firma arbeitet. Die Beziehung der beiden hätte eine Chance, wären da nicht die beiden Arbeitskollegen Cater und Toms Exfreundin Jeannie aus der  Buchhaltung seiner Firma, die dem Pärchen das Glück nicht gönnen. Für Jeannie ist die Kränkung besonders groß, da Helen nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, sondern dick ist. So tituliert sie Helen als „fettes Schwein“ und versucht zusammen mit Carter die Beziehung ins Lächerliche zu ziehen, um Tom zurückzugewinnen. Am Ende scheitert die Liebe an Helens Selbstwzeifeln und an einem besseren Jobangebot, das sie nach auswärts führt und daran, dass Tom nicht stark genug an ihrer Seite auftritt, um ihre Selbstzweifel zu zerstören.

Mehr über das Stück hier bei fn.web.

Auf der Webseite der Burgfestspiele gibt es ein intereessantes Interview mit den beiden Schauspielern zum Thema.

 


Hinterlasse einen Kommentar

Auf das Übergewicht reduziert…

Auf der Webseite der Zeitschrift Brigitte bin ich über einen Beitrag der Reihe „60 Stimmen“ gestolpert, in welchem Frau Sara Hünert schildert, wie sie mit gehässigen und dummen Kommentaren und Blicken bezüglich ihres Körpervolumens umgeht, was sie empfindet, wie sie reagiert. Wie man an den Kommentaren sehen kann, gibt es viele Leser/innen, die das sehr gut nachempfinden können, ich ebenso.

Nicht umsonst habe ich in meinem Buch (gleicher Titel wie mein Blog) ein Kapitel genau dieser Problematik gewidmet mit Beispielen und Möglichkeiten zu reagieren.

Mitunter verhalten sich Menschen wie primitive Raubtiere und greifen mit Vorliebe jene Mitmenschen an, die sie aus Außenseiter und wehrlose Opfer wahrnehmen.

Sagen Sie sich jeden Tag aufs Neue, dass Sie unabhängig von Ihrer Körperform ein starker, wertvoller Mensch sind. Und das mehrmals am Tag. Schauen Sie dabei in den Spiegel und lachen Sie sich an. Die Sonne scheint nicht nur für die Dünnen und die Blumen blühen nicht nur, damit die Dünnen sie in Sträußen nach Hause tragen. Alles Schöne dieser Welt ist für alle Menschen da, weil alle Menschen einzigartig und der Liebe wert sind.